Ratgeber · Inkontinenz
Inkontinenz behandeln: Alle Therapiemöglichkeiten im Überblick
Beckenbodentraining, Blasentraining, Verhaltenstherapie oder Medikamente – es gibt viele Wege, Inkontinenz wirksam zu behandeln. Hier erfahren Sie, welche Methoden es gibt, wie sie wirken und was Sie selbst im Alltag tun können.

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Behandlung auf einen Blick
3 Säulen
Beckenbodentraining, Verhaltenstherapie und Blasentraining bilden die Basis jeder Inkontinenz-Behandlung – oft ohne Medikamente.
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Beckenbodenübungen lassen sich überall durchführen – im Sitzen, Stehen oder Liegen. Schon 10 Minuten täglich zeigen Wirkung.
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Ab Pflegegrad 1 haben Sie Anspruch auf Pflegehilfsmittel im Wert von 42 € monatlich – inklusive Inkontinenzeinlagen.
Was ist Inkontinenz?
Inkontinenz bezeichnet den unwillkürlichen Verlust von Urin oder Stuhl. Die Ursachen sind vielfältig: Eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur, überaktive Blasenmuskeln, neurologische Erkrankungen oder Folgen von Operationen können die Kontrolle über Blase und Darm beeinträchtigen.
Betroffen sind Menschen jeden Alters – nicht nur Ältere. Dennoch ist Inkontinenz nach wie vor ein Tabuthema, obwohl allein in Deutschland rund 9 Millionen Menschen darunter leiden. Wer den Mut fasst, das Thema anzusprechen, hat bereits den wichtigsten Schritt getan: Denn Inkontinenz ist in den meisten Fällen gut behandelbar.
Die Auswirkungen gehen über das Körperliche hinaus. Scham, sozialer Rückzug und Angst vor peinlichen Situationen belasten viele Betroffene. Umso wichtiger ist es zu wissen: Sie sind nicht allein, und es gibt wirksame Hilfe.
Welche Formen von Inkontinenz gibt es?
Nicht jede Inkontinenz ist gleich. Die Art der Inkontinenz bestimmt, welche Behandlung am besten wirkt. Die häufigsten Formen im Überblick:
Belastungsinkontinenz
Urinverlust bei körperlicher Anstrengung – etwa beim Husten, Niesen, Lachen oder Heben. Ursache ist meist eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur. Besonders häufig nach Schwangerschaften oder Prostata-Operationen.
Dranginkontinenz
Plötzlicher, starker Harndrang mit dem Gefühl, sofort eine Toilette aufsuchen zu müssen – oft gefolgt von unkontrolliertem Urinverlust. Häufige Ursachen: überaktive Blasenmuskeln oder neurologische Erkrankungen.
Mischinkontinenz
Eine Kombination aus Belastungs- und Dranginkontinenz. Sowohl körperliche Anstrengung als auch plötzlicher Harndrang führen zum unfreiwilligen Urinverlust. Betrifft besonders Frauen ab dem mittleren Alter.
Überlaufinkontinenz
Die Blase entleert sich nicht vollständig, es kommt zu ständigem Tröpfeln. Häufige Ursache: eine Verengung der Harnröhre oder eine Schwäche des Blasenmuskels – oft bei Männern mit Prostatavergrößerung.
Stuhlinkontinenz
Unkontrollierter Stuhlabgang – von gelegentlichem Stuhlschmieren bis zum vollständigen Kontrollverlust. Ursachen reichen von Schließmuskelschäden über Nervenschäden bis zu chronischen Darmerkrankungen.
Beckenbodentraining: Die wichtigste Säule der Behandlung
Der Beckenboden ist eine Muskelgruppe, die Blase, Darm und innere Organe von unten stützt. Ist diese Muskulatur geschwächt, lässt die Kontrolle über den Harnabgang nach. Die gute Nachricht: Wie jeder Muskel lässt sich auch der Beckenboden gezielt trainieren.
Beckenbodentraining ist die wirksamste nicht-medikamentöse Behandlung bei Belastungsinkontinenz. Studien zeigen, dass konsequentes Training bei über 70 % der Betroffenen zu einer deutlichen Verbesserung führt – oft sogar zur vollständigen Kontinenz.
Das Beste daran: Die Übungen lassen sich jederzeit und überall durchführen – im Sitzen am Schreibtisch, im Stehen an der Bushaltestelle oder im Liegen vor dem Einschlafen. Niemand bemerkt etwas davon.

4 Übungen für einen starken Beckenboden
Beginnen Sie mit diesen Grundübungen und steigern Sie die Intensität schrittweise. Wichtig: Spannen Sie nur die Beckenbodenmuskeln an – nicht Bauch, Gesäß oder Oberschenkel.
1. Anspannen und Loslassen
Spannen Sie die Beckenbodenmuskeln für 5 Sekunden an, dann 5 Sekunden entspannen. 10× wiederholen. Im Sitzen oder Liegen möglich – ideal für den Einstieg.
2. Die Brücke
Auf dem Rücken liegend die Beine anwinkeln und das Becken langsam anheben. 5 Sekunden halten, dann senken. 10× wiederholen. Stärkt zusätzlich die Rumpfmuskulatur.
3. Kegel-Übung
Stellen Sie sich vor, Sie möchten den Harnfluss unterbrechen. Spannen Sie die entsprechenden Muskeln an, halten Sie 5 Sekunden und entspannen Sie. 10× wiederholen. Die bekannteste Beckenbodenübung weltweit.
4. Einbeinstand
Auf einem Bein stehen, die Bauchmuskeln leicht anspannen und das freie Bein langsam vor dem Körper entlangführen. 10× pro Seite. Trainiert Beckenboden und Gleichgewicht gleichzeitig.
Tipp: Professionelle Anleitung nutzen
Lassen Sie sich die korrekte Anspannung des Beckenbodens von einem Physiotherapeuten zeigen. Viele Betroffene spannen anfangs die falschen Muskeln an. Physiotherapie bei Inkontinenz wird von der Krankenkasse übernommen – fragen Sie Ihren Arzt nach einer Verordnung.
Verhaltenstherapie: Gewohnheiten ändern, Kontrolle gewinnen
Neben dem Beckenbodentraining spielt die Verhaltenstherapie eine zentrale Rolle. Dabei geht es nicht um Psychotherapie, sondern um gezielte Veränderungen im Alltag, die Ihnen helfen, die Blasen- und Darmkontrolle zu verbessern.
Folgende Maßnahmen haben sich bewährt:
- Ausgewogene Ernährung: Bestimmte Lebensmittel reizen die Blase. Koffein, Alkohol, Kohlensäure und stark gewürzte Speisen können Symptome verschlimmern.
- Ausreichend trinken: Paradoxerweise verstärkt zu wenig Trinken die Probleme – konzentrierter Urin reizt die Blase zusätzlich. 1,5 bis 2 Liter am Tag sind empfehlenswert.
- Nikotin meiden: Rauchen fördert chronischen Husten, der den Beckenboden dauerhaft belastet.
- Regelmäßige Bewegung: Schon 30 Minuten Spaziergang an 5 Tagen pro Woche stärken die allgemeine Muskulatur und unterstützen die Kontinenz.
- Gewicht reduzieren: Übergewicht erhöht den Druck auf Blase und Beckenboden erheblich. Bereits eine moderate Gewichtsabnahme kann die Symptome spürbar verbessern.

Blasentraining: Die Blase neu erziehen
Beim Blasentraining (auch Toilettentraining genannt) geht es darum, die Abstände zwischen den Toilettengängen schrittweise zu verlängern. Unter ärztlicher Anleitung führen Sie ein Protokoll über Harndrang und Urinmenge.
Daraus erstellt Ihr Arzt einen individuellen Trink- und Miktionsplan. Das Ziel: Statt bei jedem Harndrang sofort die Toilette aufzusuchen, lernen Sie, den Drang bewusst auszuhalten und die Blase zu regulierten Zeiten zu entleeren.
Blasentraining ist besonders bei Dranginkontinenz wirksam und lässt sich ideal mit Beckenbodentraining kombinieren – eine starke Beckenbodenmuskulatur erhöht die Wirksamkeit des Toilettentrainings deutlich.
Gut zu wissen: Der ganzheitliche Ansatz wirkt am besten
Die Kombination aus Beckenbodentraining, Verhaltensänderung und Blasentraining erzielt die besten Ergebnisse. Studien zeigen, dass dieser ganzheitliche Ansatz bei bis zu 80 % der Betroffenen die Symptome deutlich lindert – häufig sogar ohne Medikamente. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über einen individuellen Therapieplan.
Weitere Behandlungsmöglichkeiten
Wenn Training und Verhaltenstherapie allein nicht ausreichen, stehen weitere Optionen zur Verfügung. Die Wahl der Therapie hängt immer von der Art und Schwere der Inkontinenz ab.
Medikamente
Bei Dranginkontinenz können sogenannte Anticholinergika helfen. Sie beruhigen die überaktive Blasenmuskulatur und verringern den Harndrang. Neuere Wirkstoffe wie Mirabegron bieten eine Alternative mit weniger Nebenwirkungen. Alle Medikamente werden vom Arzt verordnet.
Operative Eingriffe
Bei schwerer Belastungsinkontinenz, die auf konservative Maßnahmen nicht anspricht, kommen Schlingenoperationen (TVT/TOT) in Frage. Bei Männern kann nach Prostata-Operationen ein künstlicher Schließmuskel implantiert werden. Operative Eingriffe sind der letzte Schritt.
Hilfsmittel im Alltag
Moderne Inkontinenzprodukte wie Einlagen, Vorlagen oder spezielle Unterwäsche bieten diskreten Schutz. Sie sind kein Ersatz für eine Behandlung, aber ein wichtiger Baustein für Sicherheit und Lebensqualität im Alltag. Unsere Pflegebox liefert diese Produkte direkt zu Ihnen nach Hause.
Diagnose: Der richtige Weg zur Behandlung
Bevor eine Therapie beginnt, muss die Art und Ursache der Inkontinenz abgeklärt werden. Der Arzt wird zunächst Ihre Krankengeschichte aufnehmen und Sie nach Ihren Beschwerden befragen. Folgende Untersuchungen kommen häufig zum Einsatz:
- Körperliche Untersuchung des Bauch- und Beckenbereichs
- Urinuntersuchung zum Ausschluss von Entzündungen
- Urodynamische Untersuchung – misst die Funktion von Blase und Harnröhre
- Bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT bei unklaren Befunden
- Miktionstagebuch – Sie protokollieren Trinkmengen und Toilettengänge über mehrere Tage
Scheuen Sie sich nicht, das Thema bei Ihrem Hausarzt oder Urologen anzusprechen. Ärzte kennen das Problem gut und können Ihnen gezielt helfen. Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser sind die Behandlungserfolge.
Pflegehilfsmittel bei Inkontinenz
Menschen mit einem anerkannten Pflegegrad haben Anspruch auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch im Wert von bis zu 42 € pro Monat (§ 40 SGB XI). Dazu gehören unter anderem Bettschutzeinlagen, Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel und Mundschutz.
Diese Hilfsmittel erleichtern den Pflegealltag erheblich – für Betroffene und pflegende Angehörige gleichermaßen. Mit unserer Pflegebox erhalten Sie eine monatliche Lieferung mit den passenden Produkten, individuell auf Ihren Bedarf zusammengestellt und komplett kostenfrei mit Pflegegrad.
Darüber hinaus können bei höheren Pflegegraden weitere Leistungen genutzt werden: Kurzzeitpflege (bis zu 1.854 €/Jahr), Verhinderungspflege (bis zu 1.685 €/Jahr) und der Entlastungsbetrag (131 €/Monat für alle Pflegegrade).

Häufige Fragen zur Inkontinenz-Behandlung
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