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Ratgeber · Pflegehilfsmittel

Antidekubitus-Matratzen: Schutz vor Druckgeschwüren in der Pflege

Bettlägerigkeit oder stark eingeschränkte Mobilität bringen ein ernstes Risiko mit sich: Dekubitus — schmerzhafte Druckgeschwüre, die das Leben von Pflegebedürftigen massiv beeinträchtigen. Eine Antidekubitus-Matratze kann hier entscheidend vorbeugen. Wir erklären, welche Matratzen-Typen es gibt, wann die Kasse zahlt und worauf Sie beim Kauf achten sollten.

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Antidekubitus-Matratzen auf einen Blick

4 Typen

Wechseldruck, Schaum­stoff, Luft­bett und Auflagen — für jedes Dekubitus­risiko die passende Lösung.

Kassenleistung

Mit ärztlicher Verordnung übernimmt die Kranken- oder Pflege­kasse die Kosten — Ihr Eigenanteil beträgt max. 10 €.

PG 11 im HMV

Im Hilfs­mittel­verzeichnis unter Produkt­gruppe 11 gelistet — ein anerkanntes medizinisches Hilfsmittel.

Was ist Dekubitus — und warum ist die Matratze so wichtig?

Dekubitus (umgangssprachlich „Wundliegen“) entsteht, wenn bestimmte Körperstellen über längere Zeit konstantem Druck ausgesetzt sind. Die Blut­versorgung wird unterbrochen, das Gewebe geschädigt — im schlimmsten Fall bis auf den Knochen. Besonders gefährdet sind Fersen, Steißbein, Hüfte und Schulterblätter.

Eine gewöhnliche Matratze verteilt den Druck nicht ausreichend. Antidekubitus-Matratzen (auch Dekubitus­matratzen oder AD-Matratzen) sind speziell dafür konstruiert, den Auflagedruck zu reduzieren, die Durch­blutung zu fördern und so Druck­geschwüre zu verhindern — oder bei bereits bestehendem Dekubitus die Heilung zu unterstützen.


Die 4 Matratzen-Typen im Überblick

Je nach Dekubitus­risiko, Mobilität und Pflege­situation eignen sich unterschiedliche Matratzen­typen. Die wichtigsten vier auf einen Blick:

Wechseldruck­matratze

Mehrere Luft­kammern werden computer­gesteuert abwechselnd auf- und abgepumpt. So verlagert sich der Druck kontinuierlich — die Durch­blutung wird aktiv gefördert.

Geeignet für: Hohes Dekubitus­risiko, stark eingeschränkte Mobilität oder bestehender Dekubitus ab Grad II.

Schaum­stoff­matratze

Visco- oder Kalt­schaum passt sich der Körper­form an und verteilt den Druck gleich­mäßig. Visco­schaum reagiert auf Körper­wärme, Kalt­schaum bietet hohe Atmungs­aktivität.

Geeignet für: Geringes bis mittleres Risiko, Prophylaxe, noch teilmobile Personen.

Luft­bett­matratze

Besteht vollständig aus Luft­kammern mit individuell regulierbarem Druck. Ermöglicht sehr feine Einstellung und gleichmäßige Gewichts­verteilung.

Geeignet für: Hohes Risiko, höheres Körper­gewicht, intensive Pflege­situationen.

Antidekubitus-Auflagen

Werden auf eine vorhandene Matratze gelegt und bieten zusätzliche Druck­entlastung — etwa aus Gel­schaum, Visco­schaum oder mit Luft­kammern.

Geeignet für: Geringes Risiko, Ergänzung zur Prophylaxe, wenn keine neue Matratze nötig ist.

Tipp: Der Schlüssel zur Kosten­übernahme ist die ärztliche Verordnung (Rezept). Sprechen Sie Ihren Haus­arzt gezielt auf eine Antidekubitus-Matratze an — besonders wenn bereits ein erhöhtes Dekubitus­risiko besteht oder ein Pflege­grad vorliegt.


Für wen eignet sich eine Antidekubitus-Matratze?

Nicht jeder Pflege­bedürftige braucht sofort eine spezielle Matratze. Aber in bestimmten Situationen ist sie medizinisch dringend empfohlen — und kann schwerwiegende Komplikationen verhindern.

Bettlägerige Menschen

Wer sich nicht selbst­ständig umlagern kann, ist besonders gefährdet. Hier sind Wechseldruck- oder Luft­bett­matratzen oft die beste Wahl.

Nach Operationen

Längere Krankenhaus­aufenthalte oder Rehabilitation mit ein­geschränkter Bewegung erhöhen das Dekubitus­risiko deutlich.

Neurologische Erkrankungen

Schlaganfall, Multiple Sklerose oder Querschnitt­lähmung führen häufig zu stark eingeschränkter Mobilität und erhöhtem Risiko.

Bestehender Dekubitus

Bei bereits vorhandenen Druck­stellen unterstützt die richtige Matratze die Heilung und verhindert, dass sich die Situation verschlechtert.

Risikofaktoren

Mangel­ernährung, Inkontinenz, Durchblutungs­störungen oder Diabetes erhöhen das Dekubitus­risiko — auch bei teil­mobilen Personen.

Höhere Pflegegrade

Ab Pflegegrad 2 sinkt die Mobilität oft deutlich. Ein Pflege­bett mit passender AD-Matratze wird dann zum Standard der Versorgung.


Kostenübernahme: Wer zahlt die Antidekubitus-Matratze?

Die gute Nachricht: Antidekubitus-Matratzen sind im Hilfsmittel­verzeichnis (Produkt­gruppe 11 — „Hilfs­mittel gegen Dekubitus“) gelistet. Das bedeutet: Mit einer ärztlichen Verordnung handelt es sich um eine anerkannte Kassen­leistung.

So läuft die Versorgung in der Praxis

SchrittWas passiert?
1. VerordnungIhr Haus- oder Facharzt stellt ein Rezept für eine Antidekubitus-Matratze aus. Dabei wird der Matratzen-Typ nach medizinischem Bedarf festgelegt.
2. SanitätshausMit dem Rezept gehen Sie zu einem Sanitäts­haus oder Hilfs­mittel­versorger. Dieser beantragt die Kosten­übernahme bei Ihrer Kasse.
3. GenehmigungDie Kranken­kasse (§ 33 SGB V) oder Pflege­kasse (§ 40 SGB XI) prüft und genehmigt. In dringenden Fällen kann vorab geliefert werden.
4. LieferungDas Sanitäts­haus liefert die Matratze, stellt sie ein und weist in die Bedienung ein — bei Wechsel­druck­matratzen auch in die Pumpe.
5. EigenanteilSie zahlen eine gesetzliche Zuzahlung von 10 % des Preises, maximal 10 € pro Hilfs­mittel (§ 61 SGB V). Bei Härte­fall­regelung entfällt die Zuzahlung.

Vorsicht bei „Aufzahlung“

Das Sanitäts­haus darf Ihnen eine Matratze anbieten, die über den Kassen­festbetrag hinausgeht — die Differenz zahlen Sie dann selbst. Fragen Sie immer zuerst, ob ein aufzahlungs­freies Modell verfügbar ist. Es besteht ein gesetzlicher Anspruch auf eine zuzahlungs­freie Versorgung.


Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Die richtige Matratze hängt von mehreren Faktoren ab. Lassen Sie sich unbedingt fachlich beraten — durch Ihren Arzt, Pflege­fachkräfte oder das Sanitäts­haus. Folgende Punkte sind besonders wichtig:

  • Dekubitus­risiko einschätzen. Pflege­fachkräfte nutzen standardisierte Skalen (Norton- oder Braden-Skala) zur Einschätzung. Je höher das Risiko, desto leistungs­fähiger sollte die Matratze sein.
  • Körpergewicht beachten. Jede Matratze hat eine Belastungs­grenze. Achten Sie darauf, dass die Trag­fähigkeit zum Patienten passt.
  • Pflegeleichte Bezüge. Abnehmbare, waschbare und desinfizierbare Bezüge sind bei Inkontinenz oder Wund­versorgung unverzichtbar.
  • Geräusch­pegel prüfen. Wechseldruck­matratzen haben eine Pumpe — moderne Geräte sind deutlich leiser als ältere Modelle. Fragen Sie gezielt nach der Lautstärke.
  • Qualitäts­siegel beachten. Zertifizierungen wie Öko-Tex Standard 100 oder das CE-Kennzeichen bestätigen Schadstoff­freiheit und Sicherheit.

Pflege und Hygiene der Matratze

Damit eine Antidekubitus-Matratze ihre Wirkung behält und hygienisch bleibt, braucht sie regelmäßige Pflege:

  • Bezug regelmäßig waschen — je nach Hersteller bei 60 °C oder 95 °C, um Keime sicher abzutöten.
  • Matratze auf Beschädigungen prüfen — Risse oder Löcher in der Oberfläche mindern die Druck­entlastung.
  • Bei Wechseldruck: Pumpe warten — Filter reinigen und auf ungewöhnliche Geräusche achten. Die meisten Versorger bieten Wartungs­service an.
  • Keine scharfen Reinigungs­mittel — verwenden Sie milde, pH-neutrale Reiniger, um das Material nicht anzugreifen.

Häufige Fragen zu Antidekubitus-Matratzen

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