Ratgeber · Gesundheit
Oberschenkelhalsbruch im Alter: Was Betroffene und Angehörige wissen müssen
Ein Oberschenkelhalsbruch gehört zu den häufigsten und folgenreichsten Verletzungen im höheren Lebensalter. Doch mit der richtigen Behandlung, konsequenter Rehabilitation und gezielter Vorsorge können Betroffene ihren Alltag zurückgewinnen. Wir erklären Schritt für Schritt, worauf es ankommt – von der Diagnose bis zur Unterstützung durch die Pflegekasse.

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Oberschenkelhalsbruch auf einen Blick
~120.000
Fälle pro Jahr in Deutschland – eine der häufigsten Verletzungen bei älteren Menschen.
90 %
der Betroffenen sind über 65 Jahre alt. Osteoporose ist der Hauptrisikofaktor.
Innerhalb 24 h
sollte die Operation erfolgen – frühzeitige Versorgung verbessert die Prognose deutlich.
Was ist ein Oberschenkelhalsbruch?
Ein Oberschenkelhalsbruch – medizinisch Schenkelhalsfraktur oder Femurhalsfraktur – ist ein Bruch des Oberschenkelknochens (Femur) im schmalen Abschnitt direkt unterhalb des Hüftkopfes. Dieser Bereich verbindet den kugelförmigen Gelenkkopf mit dem restlichen Oberschenkelknochen und trägt bei jedem Schritt das gesamte Körpergewicht.
Im Alter wird genau dieser Abschnitt zum Schwachpunkt: Die Knochendichte nimmt ab, die Knochenstruktur wird poröser – und schon ein einfacher Sturz aus dem Stand kann ausreichen, um den Knochen brechen zu lassen. In seltenen Fällen genügt sogar eine unglückliche Drehbewegung.
Warum trifft es gerade ältere Menschen?
Mit zunehmendem Alter kommen mehrere Faktoren zusammen, die das Risiko für diese Verletzung deutlich erhöhen: Die Knochendichte sinkt (Osteoporose), das Gleichgewicht wird unsicherer, die Muskelkraft lässt nach und Sehstörungen erschweren die Orientierung. Hinzu kommen oft Medikamente, die Schwindel oder Benommenheit verursachen können.
All das macht Stürze wahrscheinlicher – und die geschwächten Knochen brechen schneller. Frauen sind aufgrund der hormonellen Veränderungen nach der Menopause besonders häufig betroffen.

Ursachen und Risikofaktoren
Ein Oberschenkelhalsbruch entsteht fast nie aus dem Nichts. Meistens wirken mehrere Risikofaktoren zusammen. Je mehr davon zutreffen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für eine Fraktur.
Osteoporose
Die häufigste Ursache: Die altersbedingte Abnahme der Knochendichte macht Knochen spröde und bruchanfällig. Besonders Frauen nach der Menopause sind betroffen.
Stürze
Die häufigste direkte Ursache: ein Sturz auf die Hüfte. Ausgelöst durch Stolperfallen, Schwindel, nasse Böden oder schlechte Beleuchtung im Haushalt.
Muskelschwäche
Mit dem Alter nimmt die Muskelmasse ab. Schwächere Muskeln stabilisieren die Gelenke schlechter und erhöhen das Sturzrisiko zusätzlich.
Medikamente
Schlafmittel, Antidepressiva, Blutdrucksenker oder Kortisonpräparate können Schwindel verursachen oder die Knochendichte negativ beeinflussen.
Vorerkrankungen
Parkinson, Demenz, Schlaganfall oder Arthritis beeinträchtigen die Mobilität und Koordination – das Sturzrisiko steigt erheblich.
Mangelernährung
Zu wenig Kalzium, Vitamin D und Eiweiß schwächen sowohl die Knochen als auch die Muskulatur. Eine ausgewogene Ernährung ist daher essenziell.
Symptome richtig erkennen
Die Anzeichen eines Oberschenkelhalsbruchs sind in den meisten Fällen sehr deutlich. Wenn nach einem Sturz eines oder mehrere dieser Symptome auftreten, sollten Sie sofort den Notruf wählen:
- Starke Schmerzen in Hüfte, Leiste oder Oberschenkel, die sich bei jeder Bewegung verschlimmern
- Unfähigkeit aufzustehen oder zu gehen – das betroffene Bein lässt sich nicht mehr belasten
- Verkürzung des Beines – das betroffene Bein erscheint kürzer als das andere
- Außenrotation des Fußes – der Fuß dreht sich auffällig nach außen
- Schwellung und Blutergüsse im Hüftbereich
Wichtig: Bei Verdacht auf einen Oberschenkelhalsbruch sofort die 112 anrufen. Die betroffene Person nicht bewegen – jede Lageveränderung kann starke Schmerzen verursachen und den Bruch verschlimmern. Decken Sie die Person warm zu und bleiben Sie bei ihr, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Diagnose und Behandlung
Im Krankenhaus geht es schnell: Eine Röntgenaufnahme des Hüftgelenks reicht in den meisten Fällen aus, um den Bruch und seinen Verlauf zu erkennen. Bei komplexen Frakturen oder unklaren Befunden kann zusätzlich eine Computertomographie (CT) eingesetzt werden.
Die Behandlung eines Oberschenkelhalsbruchs ist fast immer operativ. Ziel: die Stabilität des Knochens wiederherstellen und eine möglichst schnelle Mobilisierung ermöglichen. Je nach Bruchtyp, Alter und Allgemeinzustand gibt es zwei Hauptverfahren:
Hüftprothese (TEP)
Bei älteren Patientinnen und Patienten oder bei stark verschobenen Brüchen wird das natürliche Hüftgelenk durch ein künstliches Gelenk (Totalendoprothese) ersetzt. Der Vorteil: Das Bein ist meist schon wenige Tage nach der OP wieder belastbar.
Empfohlen bei: Menschen über 65 Jahren, bei denen die Knochenqualität eine natürliche Heilung unwahrscheinlich macht.
Osteosynthese
Bei wenig verschobenen Brüchen oder jüngeren Patientinnen und Patienten wird der Knochen mit Schrauben, Platten oder Nägeln stabilisiert, damit er in seiner natürlichen Position zusammenwachsen kann.
Empfohlen bei: jüngeren Betroffenen mit guter Knochenqualität und wenig verschobenem Bruch.
Tipp: Leitlinien empfehlen, die Operation möglichst innerhalb von 24 Stunden nach dem Bruch durchzuführen. Studien zeigen, dass eine frühzeitige Versorgung das Risiko für Komplikationen wie Thrombosen, Lungenentzündungen und Druckgeschwüre deutlich senkt.
Begleitend zur Operation erhalten Patientinnen und Patienten in der Regel Schmerzmittel, eine Thromboseprophylaxe (um Blutgerinnsel zu verhindern) und bei bestehender Osteoporose gegebenenfalls Knochenaufbaupräparate.

Rehabilitation: Der Weg zurück in den Alltag
Die Rehabilitation beginnt bereits kurz nach der Operation – oft schon am nächsten Tag. Frühzeitige Mobilisierung ist entscheidend, um gefährliche Komplikationen wie Thrombosen, Lungenentzündungen oder Druckgeschwüre zu vermeiden.
Die vollständige Genesung dauert je nach Allgemeinzustand drei bis sechs Monate. Geduld ist wichtig – aber ebenso der konsequente Einsatz.
01
Physiotherapie
Individuelles Trainingsprogramm zur Wiederherstellung von Beweglichkeit, Muskelkraft und Gleichgewicht. Beginnt bereits im Krankenhaus und wird ambulant oder stationär fortgeführt.
02
Ergotherapie
Unterstützung bei alltäglichen Handlungen wie Anziehen, Kochen oder Körperpflege. Ergotherapeutinnen und -therapeuten helfen, Selbstständigkeit zurückzugewinnen.
03
Schmerzmanagement
Eine gute Schmerzkontrolle ist die Grundvoraussetzung für aktive Mitarbeit in der Rehabilitation. Die Medikation wird individuell angepasst und schrittweise reduziert.
04
Psychologische Begleitung
Die Angst vor einem erneuten Sturz ist nach einem Oberschenkelhalsbruch weit verbreitet. Professionelle Unterstützung hilft, Ängste abzubauen und Vertrauen in den eigenen Körper zurückzugewinnen.
Oberschenkelhalsbruch vorbeugen
Prävention ist der wirksamste Schutz. Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich das Risiko für einen Oberschenkelhalsbruch deutlich senken – sowohl durch Sturzprävention als auch durch Stärkung der Knochen.
- Stolperfallen beseitigen. Lose Teppiche, Kabel und unebene Böden entfernen. Gute Beleuchtung in allen Räumen sicherstellen – auch nachts.
- Haltegriffe installieren. Im Bad, an Treppen und neben dem Bett. Auch ein barrierefreier Badumbau kann sinnvoll sein.
- Regelmäßig bewegen. Kraft-, Gleichgewichts- und Ausdauertraining stärken Muskeln und Knochen. Schon tägliche Spaziergänge helfen.
- Kalzium und Vitamin D. Über die Ernährung oder bei Bedarf als Nahrungsergänzung – die Grundlage für stabile Knochen.
- Medikamente überprüfen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Ihre Medikamente das Sturzrisiko erhöhen könnten.
- Sehkraft kontrollieren. Regelmäßige Augenuntersuchungen – eine Sehschwäche ist ein unterschätzter Risikofaktor.

Tipp: Lassen Sie Ihre Knochendichte regelmäßig messen (DXA-Messung). Bei diagnostizierter Osteoporose können Medikamente den Knochenabbau verlangsamen oder den Knochenaufbau fördern. Sprechen Sie Ihren Hausarzt darauf an.
Pflegegrad und finanzielle Unterstützung nach einem Oberschenkelhalsbruch
Ein Oberschenkelhalsbruch führt häufig zu einer vorübergehenden oder dauerhaften Einschränkung der Selbstständigkeit. In vielen Fällen besteht deshalb Anspruch auf einen Pflegegrad – und damit auf umfangreiche Leistungen der Pflegekasse.
Den Pflegegrad beantragen Sie bei Ihrer Pflegekasse (= Ihre Krankenkasse). Der Medizinische Dienst (MD) bewertet dann in einem Hausbesuch sechs Lebensbereiche und vergibt Punkte. Je nach Ergebnis wird ein Pflegegrad 1 bis Pflegegrad 5 anerkannt. Unser Pflegegradrechner gibt Ihnen vorab eine erste Einschätzung.
Welche Leistungen stehen Ihnen zu?
Die konkreten Leistungen hängen vom bewilligten Pflegegrad ab. Hier die wichtigsten Bausteine im Überblick (Stand 2025/2026):

Pflegegeld
Ab Pflegegrad 2: zwischen 347 € und 990 € monatlich – zur freien Verwendung, z. B. als Anerkennung für pflegende Angehörige.
Kurzzeitpflege
Ab Pflegegrad 2: bis zu 1.854 € pro Jahr für eine vorübergehende stationäre Unterbringung – ideal direkt nach dem Krankenhausaufenthalt.
Verhinderungspflege
Ab Pflegegrad 2: bis zu 1.685 € pro Jahr, wenn die Hauptpflegeperson verhindert ist – z. B. durch eine Vertretungskraft oder Verwandte.
131 € Entlastungsbetrag
Ab Pflegegrad 1: 131 € monatlich für Alltagsbegleiter, Haushaltshilfen oder Tages- und Nachtpflege. Nicht abgerufene Beträge können übertragen werden.
42 € Pflegehilfsmittel
Ab Pflegegrad 1: 42 € monatlich für Verbrauchshilfsmittel wie Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel oder Bettschutzeinlagen – über die Pflegebox direkt abgerechnet.
Bis zu 4.180 € Wohnumbau
Ab Pflegegrad 1: einmaliger Zuschuss pro wohnumfeldverbessernder Maßnahme – z. B. für ein barrierefreies Bad oder einen Treppenlift.
Praktische Tipps für pflegende Angehörige
Wenn ein Familienmitglied einen Oberschenkelhalsbruch erleidet, steht die ganze Familie vor einer neuen Situation. Diese Tipps helfen, die erste Zeit zu meistern:
- Wohnung anpassen. Stolperfallen entfernen, Haltegriffe anbringen, ggf. ein Pflegebett organisieren. Der Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen (bis zu 4.180 €) hilft dabei.
- Pflegegrad beantragen. Möglichst früh – am besten noch während des Krankenhausaufenthalts. Die Sozialdienste im Krankenhaus unterstützen Sie dabei.
- Rehabilitation aktiv begleiten. Motivieren Sie zur Bewegung, ohne zu drängen. Begleiten Sie zu Physiotherapie-Terminen, wenn möglich.
- Hilfsmittel nutzen. Rollator, Gehstock, Greifhilfen und Toilettensitzerhöhungen erleichtern den Alltag enorm. Viele werden von der Krankenkasse bezahlt.
- Auf die Ernährung achten. Ausreichend Eiweiß, Kalzium und Vitamin D beschleunigen die Knochenheilung und stärken die Muskulatur.
- Eigene Grenzen respektieren. Pflege ist anstrengend. Nutzen Sie Entlastungsangebote wie Rehabilitationsmaßnahmen für Angehörige, den Entlastungsbetrag (131 €/Monat) und die Verhinderungspflege.
Häufige Fragen zum Oberschenkelhalsbruch im Alter
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