Ratgeber · Gesundheit
Endometriose: Ursachen, Symptome und Therapie — ein umfassender Ratgeber
Rund zwei Millionen Frauen in Deutschland leben mit Endometriose — einer chronischen Erkrankung, die oft jahrelang unerkannt bleibt. Starke Regelschmerzen, Erschöpfung und unerfüllter Kinderwunsch sind nur einige der Folgen. Wir erklären, wie Endometriose entsteht, welche Behandlungen helfen und wo Betroffene Unterstützung finden.

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Endometriose auf einen Blick
~ 2 Mio.
Betroffene in Deutschland — Endometriose ist eine der häufigsten gynäkologischen Erkrankungen.
7–10 Jahre
Durchschnittliche Dauer vom ersten Symptom bis zur gesicherten Diagnose.
30–50 %
Der Betroffenen haben Schwierigkeiten, auf natürlichem Weg schwanger zu werden.
Was ist Endometriose?
Endometriose ist eine chronische, hormonabhängige Erkrankung, bei der sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut (dem Endometrium) ähnelt, außerhalb der Gebärmutter ansiedelt. Dieses Gewebe kann an den Eierstöcken, Eileitern, am Bauchfell, an Blase oder Darm wachsen — in seltenen Fällen sogar an der Lunge.
Wie die normale Gebärmutterschleimhaut reagiert auch das Endometriosegewebe auf den weiblichen Hormonzyklus: Es baut sich auf und blutet ab. Da das Blut jedoch nicht abfließen kann, kommt es zu Entzündungen, Vernarbungen und Verwachsungen, die teils erhebliche Schmerzen verursachen.
Betroffen sind vor allem Frauen zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr. Nach der Menopause lassen die Beschwerden in der Regel nach — die Erkrankung verschwindet aber nicht zwangsläufig.
Wie entsteht Endometriose? Die wichtigsten Theorien
Die genauen Ursachen von Endometriose sind wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenspielen:
Retrograde Menstruation
Menstruationsblut fließt über die Eileiter zurück in den Bauchraum. Dort siedeln sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut an — die meistverbreitete Erklärung.
Genetische Veranlagung
Endometriose tritt in Familien gehäuft auf. Ist eine enge Verwandte betroffen, steigt das eigene Risiko deutlich — ein Hinweis auf eine erbliche Komponente.
Immunsystem-Fehlfunktion
Ein fehlgesteuertes Immunsystem erkennt das verlagerte Gewebe nicht als fremd und baut es nicht ab — so können sich Herde ungehindert ausbreiten.
Hormonelle Faktoren
Insbesondere ein Überschuss an Östrogen begünstigt das Wachstum von Endometrioseherden und verstärkt die entzündlichen Prozesse im Gewebe.
Metaplasie
Körpereigene Zellen außerhalb der Gebärmutter wandeln sich unter bestimmten Bedingungen in endometriumähnliches Gewebe um — unabhängig von der Menstruation.
Umwelteinflüsse
Bestimmte Umweltchemikalien (z. B. Dioxine) stehen im Verdacht, hormonelle Abläufe zu stören und die Entstehung von Endometriose zu begünstigen.
Symptome: Wie äußert sich Endometriose?
Die Beschwerden sind so individuell wie die Erkrankung selbst. Manche Frauen haben kaum Symptome, andere sind im Alltag stark eingeschränkt. Wichtig: Die Schwere der Symptome sagt nichts über das Ausmaß der Erkrankung aus — kleine Herde können starke Schmerzen verursachen, große Herde manchmal gar keine.
Typische Beschwerden
- Starke Regelschmerzen (Dysmenorrhoe): Krampfartige Unterleibsschmerzen, die über das normale Maß hinausgehen und oft mit Übelkeit oder Erbrechen einhergehen.
- Chronische Beckenschmerzen: Anhaltende Schmerzen im Unterbauch, auch außerhalb der Menstruation.
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie): Tiefe Schmerzen im Becken während oder nach dem Geschlechtsverkehr.
- Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen: Besonders häufig während der Menstruation, wenn Herde Darm oder Blase betreffen.
- Zyklusstörungen: Unregelmäßige, sehr starke oder verlängerte Blutungen sowie Schmierblutungen zwischen den Perioden.
- Chronische Erschöpfung (Fatigue): Die ständige Schmerzbelastung und die Entzündungsprozesse führen bei vielen Betroffenen zu tiefer Müdigkeit.
- Verdauungsprobleme: Blähungen, Durchfall oder Verstopfung — insbesondere wenn Endometrioseherde am Darm liegen.
- Rückenschmerzen: Ausstrahlende Schmerzen im unteren Rücken durch Entzündungen und Verwachsungen im Beckenbereich.
- Unfruchtbarkeit: Bei 30–50 % der Betroffenen beeinträchtigt Endometriose die Fruchtbarkeit.
Bitte beachten Sie: Starke Regelschmerzen sind nicht normal. Wenn Ihre Beschwerden den Alltag einschränken oder Sie regelmäßig Schmerzmittel benötigen, sprechen Sie Ihre Gynäkologin oder Ihren Gynäkologen gezielt auf Endometriose an. Je früher die Diagnose, desto besser die Behandlungsmöglichkeiten.
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Der Weg zur Diagnose
Im Durchschnitt vergehen sieben bis zehn Jahre, bis Endometriose sicher diagnostiziert wird. Die Symptome ähneln anderen Erkrankungen wie Reizdarmsyndrom oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, was die Abgrenzung erschwert.
Der Diagnoseweg umfasst in der Regel mehrere Schritte:
- Anamnese: Ein ausführliches Gespräch über Ihre Symptome, den zeitlichen Verlauf, die Krankengeschichte und eventuelle familiäre Vorbelastungen.
- Gynäkologische Untersuchung: Abtasten des Beckens auf Schmerzpunkte und Veränderungen.
- Bildgebung (Ultraschall / MRT): Transvaginaler Ultraschall kann Zysten an den Eierstöcken (Endometriome) sichtbar machen. Ein MRT liefert detaillierte Bilder auch von tief liegenden Herden.
- Laparoskopie (Bauchspiegelung): Der „Goldstandard“ — unter Vollnarkose inspiziert die Ärztin den Bauchraum direkt, entnimmt Gewebeproben und kann kleine Herde sofort entfernen.
Nehmen Sie Ihre Beschwerden ernst. Wenn Ihre Ärztin Endometriose nicht in Betracht zieht, holen Sie eine Zweitmeinung ein — idealerweise in einem zertifizierten Endometriose-Zentrum.

Therapie: Welche Behandlungen helfen?
Die Behandlung wird individuell abgestimmt — abhängig von Schmerzintensität, Alter, Kinderwunsch und Lage der Herde. Meist werden mehrere Ansätze kombiniert.
Medikamentöse Therapie
- Schmerzmittel (NSAR): Ibuprofen oder Naproxen lindern leichte bis mittlere Schmerzen. Bei stärkeren Beschwerden kommen verschreibungspflichtige Mittel zum Einsatz.
- Hormonelle Therapien: Kombinierte Antibabypille (Langzyklus), Gestagene (Pille, Hormonspirale, Injektion) oder GnRH-Analoga unterdrücken den Eisprung und hemmen das Herdwachstum. GnRH-Analoga erzeugen eine vorübergehende „künstliche Menopause“ und werden wegen Nebenwirkungen meist nur zeitlich begrenzt eingesetzt.
Operative Therapie
Ziel einer Operation ist die möglichst vollständige Entfernung aller sichtbaren Endometrioseherde — meist per Laparoskopie (Bauchspiegelung). Die Herde werden per Laser, Koagulation oder Exzision entfernt. In schweren Fällen kann eine Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) in Betracht gezogen werden, wenn kein Kinderwunsch mehr besteht und andere Therapien nicht ausreichend geholfen haben.
Ergänzende Ansätze und Selbsthilfe
Physiotherapie
Spezialisierte Beckenbodenphysiotherapie löst Verspannungen, lindert Schmerzen und verbessert die Beweglichkeit im Beckenbereich.
Ernährung
Eine entzündungshemmende Ernährung — reich an Gemüse, Omega-3-Fettsäuren und Vollkorn — kann Symptome positiv beeinflussen. Manche Frauen profitieren vom Verzicht auf rotes Fleisch, Milchprodukte oder Zucker.
Psyche & Stressabbau
Psychotherapie, Schmerzbewältigungstraining, Yoga, Meditation und Achtsamkeit — Stress verschlimmert die Symptome. Seelische Entlastung ist ein wichtiger Therapiebaustein.

Endometriose und Kinderwunsch
Endometriose zählt zu den häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit. Die Erkrankung kann die Funktion der Eierstöcke und Eileiter beeinträchtigen, die Einnistung der befruchteten Eizelle erschweren oder durch Verwachsungen die Anatomie stören.
Wenn ein Kinderwunsch besteht, ist eine frühzeitige Diagnostik besonders wichtig. Je nach Befund kommen die operative Entfernung von Endometrioseherden oder Verfahren der assistierten Reproduktion (z. B. In-vitro-Fertilisation, IVF) infrage.
Die gute Nachricht: Viele Frauen mit Endometriose werden schwanger — oft mit medizinischer Unterstützung. Sprechen Sie frühzeitig mit einem spezialisierten Kinderwunschzentrum.
Leben mit Endometriose: Alltag, Pflege und Unterstützung
Endometriose ist mehr als ein medizinisches Problem — sie wirkt sich auf den gesamten Alltag aus. Chronische Schmerzen, Erschöpfung und emotionale Belastung können Beruf, Haushalt und soziale Beziehungen erheblich beeinträchtigen.
Eine gute Selbstfürsorge ist entscheidend: regelmäßige, angepasste Bewegung, ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und gezielte Stressreduktion. Der Austausch mit anderen Betroffenen — etwa in Selbsthilfegruppen oder über die Endometriose-Vereinigung Deutschland — kann eine wichtige Stütze sein.
Pflege und Leistungsansprüche
Wenn die Erkrankung den Alltag so stark einschränkt, dass Sie regelmäßig Unterstützung benötigen, können Leistungen der Pflegeversicherung eine echte Entlastung sein. Dazu zählen unter anderem:
- Entlastungsbetrag (§ 45b SGB XI): 131 € monatlich für alle Pflegegrade 1–5 — z. B. für Haushaltshilfe oder Betreuungsangebote.
- Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (§ 40 SGB XI): Bis zu 42 € monatlich für Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel und weitere Verbrauchsmaterialien.
- Wohnumfeldverbesserung (§ 40 SGB XI): Bis zu 4.180 € je Maßnahme, z. B. für einen barrierefreien Badumbau.
Voraussetzung für diese Leistungen ist ein anerkannter Pflegegrad. Den Antrag stellen Sie bei Ihrer Pflegekasse.
Häufige Fragen zu Endometriose
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bitte wenden Sie sich bei gesundheitlichen Beschwerden immer an eine Ärztin oder einen Arzt.
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