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Ratgeber · Palliativpflege

Palliativpflege zu Hause: Ein Leitfaden für Angehörige

Wenn ein nahestehender Mensch unheilbar erkrankt, stehen Angehörige vor einer der größten Herausforderungen ihres Lebens. Die Palliativpflege zu Hause ermöglicht es, die letzte Lebensphase in vertrauter Umgebung zu verbringen — mit professioneller Unterstützung und würdevoller Begleitung. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, welche Möglichkeiten es gibt, wie Sie Hilfe erhalten und was Sie als Angehörige wissen müssen.

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Palliativpflege zu Hause auf einen Blick

AAPV & SAPV

Zwei gesetzlich anerkannte Versorgungsformen für die ambulante Palliativpflege — je nach Bedarf allgemein oder spezialisiert.

§ 37b SGB V

Seit 2007 haben schwer Erkrankte einen gesetzlichen Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV).

42 € + 131 €

Monatlich für Pflegeverbrauchs­hilfsmittel und den Entlastungs­betrag — ab Pflegegrad 1 (Stand 2025/2026).

Was bedeutet Palliativpflege?

Palliativpflege ist weit mehr als medizinische Versorgung. Sie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der darauf abzielt, die Lebensqualität schwer erkrankter Menschen zu verbessern — körperlich, seelisch und sozial. Im Unterschied zur kurativen Therapie, die auf Heilung setzt, konzentriert sich Palliativpflege auf die Linderung von Symptomen wie Schmerzen, Übelkeit oder Atemnot.

Im Mittelpunkt stehen immer der Patient und seine Familie. Das Ziel: die Würde und Autonomie bewahren, Ängste nehmen und den Alltag so angenehm wie möglich gestalten — auch und gerade in der letzten Lebensphase.


Die zwei Säulen der ambulanten Palliativversorgung

Bei der Palliativpflege zu Hause gibt es zwei vom Gesetzgeber anerkannte Versorgungsformen.

Allgemeine ambulante Palliativversorgung (AAPV)

Die AAPV wird von ambulanten Pflegediensten durchgeführt. Die Pflegekräfte benötigen keine spezielle Palliativ-Zusatzausbildung, viele haben aber eine freiwillige Weiterbildung zur „Palliative Care“ absolviert.

Das Leistungsspektrum umfasst die Überwachung der Schmerztherapie, Wundversorgung, psychosoziale Hilfe bei der Bewältigung der Situation und die einfühlsame Begleitung von Patienten und Angehörigen durch den Krankheitsverlauf.

Zusätzlich können ehrenamtliche ambulante Hospizdienste die AAPV unterstützen. Deren Mitarbeiter übernehmen neben der praktischen Begleitung auch die psychosoziale Betreuung der Angehörigen.

Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV)

Im Gegensatz zur AAPV arbeiten in der SAPV ausschließlich Fachkräfte mit Palliativ-Zusatzausbildung. Bundesweit gibt es rund 400 spezialisierte Palliativteams, die sich aus Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten zusammensetzen.

Seit 2007 haben unheilbar erkrankte Patienten nach § 37b SGB V einen gesetzlichen Anspruch auf SAPV. Die Verordnung erfolgt durch den Haus- oder Krankenhausarzt und erfordert die Genehmigung der Krankenkasse.

SAPV-Teams bieten eine 24-Stunden-Bereitschaft für Notfälle und Kriseninterventionen, medizinische und pflegerische Rundumversorgung sowie psychosoziale Unterstützung in Kooperation mit Seelsorge und ambulanten Hospizdiensten.


Vorteile der Palliativpflege zu Hause

Die eigene Wohnung kann den entscheidenden Unterschied machen — für den Patienten und die ganze Familie.

Vertraute Umgebung

Das eigene Zuhause gibt Sicherheit und Geborgenheit. Vertraute Möbel, Gerüche und Geräusche können Ängste reduzieren und das Wohlbefinden deutlich steigern.

Individuelle Betreuung

Die Pflege wird passgenau auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt — vom Schmerzmanagement bis hin zu persönlichen Wünschen im Tagesablauf.

Familien­beteiligung

Angehörige können aktiv in die Pflege eingebunden werden. Das stärkt familiäre Bindungen und schafft gemeinsame Momente, die in dieser Zeit besonders kostbar sind.

Bessere Symptom­kontrolle

Durch frühzeitige palliative Begleitung lassen sich Schmerzen, Übelkeit und Atemnot oft wirksamer kontrollieren als im klinischen Umfeld.

Emotionale Unterstützung

Nicht nur der Patient, auch Sie als Angehörige erhalten psychosoziale Begleitung — durch Fachkräfte, Hospizdienste und Seelsorge.

Vermeidung von Klinikauf­enthalten

SAPV-Teams können durch ihre Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft viele Klinikeinweisungen verhindern — und damit dem Patienten belastende Transporte ersparen.


Vorbereitung: Was Sie vor dem Start klären sollten

Eine gute Planung ist die Grundlage für eine gelingende Palliativpflege zu Hause. Sprechen Sie frühzeitig mit dem behandelnden Arzt über die Möglichkeiten und klären Sie diese Punkte:

01

Medizinische Bedürfnisse

Welche Medikamente, Therapien und medizinischen Geräte werden benötigt? Klären Sie Dosierung, Verabreichung und Lagerung — und wer dabei unterstützt.

02

Pflegerische Unterstützung

Benötigen Sie einen ambulanten Pflegedienst (AAPV) oder ein spezialisiertes Palliativteam (SAPV)? Ihr Hausarzt kann bei der Einschätzung helfen und die Verordnung ausstellen.

03

Finanzierung klären

AAPV und SAPV werden von der Krankenversicherung übernommen. Zusätzlich stehen Ihnen mit einem Pflegegrad weitere Leistungen zu — etwa der Entlastungsbetrag (131 €/Monat) oder Pflegehilfsmittel (42 €/Monat).

04

Wünsche besprechen

Reden Sie offen mit dem Patienten über seine Vorstellungen: Was ist ihm in der Pflege wichtig? Welche Behandlungen wünscht er sich — und welche nicht? Halten Sie diese Wünsche schriftlich fest.

Tipp: Erstellen Sie einen Notfallplan mit allen wichtigen Informationen — Kontaktdaten der behandelnden Ärzte, aktuelle Medikation, Allergien und Patientenverfügung. Legen Sie ihn so ab, dass alle Beteiligten jederzeit darauf zugreifen können.


Familie bei der häuslichen Pflege

Praktische Tipps für pflegende Angehörige

  • Informieren Sie sich gründlich. Je besser Sie die Krankheit und die Abläufe verstehen, desto sicherer fühlen Sie sich im Alltag.
  • Kommunizieren Sie offen. Sprechen Sie mit dem Patienten, den Ärzten und der Familie über Ihre Sorgen, Ängste und Grenzen.
  • Achten Sie auf sich selbst. Nehmen Sie sich regelmäßig Auszeiten. Wer sich verausgabt, kann nicht gut pflegen.
  • Nehmen Sie Hilfe an. Pflegedienste, Hospizdienste, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen sind genau dafür da.
  • Schaffen Sie eine gute Umgebung. Eine ruhige, saubere und komfortable Umgebung trägt spürbar zum Wohlbefinden bei.
  • Führen Sie ein Tagebuch. Notieren Sie Beobachtungen, Medikamentengaben und Ihre eigenen Gefühle — das hilft bei Arztgesprächen und der eigenen Verarbeitung.

Pflegehilfsmittel: 42 € monatlich nutzen

Mit einem Pflegegrad stehen Ihnen monatlich zuzahlungsfreie Pflegehilfsmittel im Wert von 42 € zu (§ 40 SGB XI). Einmalhandschuhe, Mundschutz, Desinfektionsmittel und Bettschutzeinlagen — Produkte, die gerade in der Palliativpflege täglich gebraucht werden.

Mit der Pflegebox von sanus-plus wird die Beantragung zum Kinderspiel: Wir stellen Ihre Box individuell zusammen, rechnen direkt mit der Pflegekasse ab und liefern monatlich kostenfrei zu Ihnen nach Hause.

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Wer kann Ihnen zur Seite stehen?

Palliativpflege ist Teamarbeit. Diese Fachkräfte unterstützen Sie und Ihren Angehörigen.

Ärzte

Palliativmediziner und Hausärzte koordinieren die medizinische Versorgung, passen die Schmerztherapie an und verordnen SAPV bei Bedarf.

Pflegekräfte

Ambulante Pflegedienste und spezialisierte Palliativpflegedienste übernehmen die tägliche pflegerische Versorgung und Symptomkontrolle.

Therapeuten

Physio-, Ergo- und Logopäden helfen, die Beweglichkeit zu erhalten und den Alltag so selbstständig wie möglich zu gestalten.

Seelsorger & Psychologen

Für die emotionale und spirituelle Begleitung — sowohl des Patienten als auch der Angehörigen in dieser belastenden Zeit.

Sozialarbeiter

Beratung zu finanziellen Ansprüchen, Pflegeleistungen und organisatorischen Fragen — sie helfen, alle Unterstützungsmöglichkeiten auszuschöpfen.

Ehrenamtliche Hospizdienste

Sitzen am Bett, lesen vor, führen Gespräche oder entlasten Angehörige — ehrenamtliche Begleiter sind eine stille, aber wertvolle Stütze.


Kommunikation und Abschied: Die leisen Momente zählen

In der Palliativpflege ist Kommunikation mehr als Informationsaustausch. Es geht darum, Raum für Gefühle zu schaffen — für den Patienten und für Sie als Angehörige. Sprechen Sie offen über Wünsche, Ängste und Hoffnungen. Hören Sie zu, auch wenn die Worte schwerfallen.

Ermutigen Sie Ihren Angehörigen, Erinnerungen zu teilen, Geschichten zu erzählen und vielleicht Dinge zu klären, die noch offen sind. Manche Familien erstellen gemeinsam ein Erinnerungsbuch oder dokumentieren die Lieblingsmusik, wichtige Orte und persönliche Botschaften.

Wichtig: Der bewusste Abschied ist kein Zeichen von Aufgeben — er ist ein Zeichen von Liebe und Respekt. Indem Sie diese Momente aktiv gestalten, geben Sie Ihrem Angehörigen die Möglichkeit, in Würde loszulassen, und schaffen Trost für sich selbst.


Häufige Fragen zur Palliativpflege zu Hause

Palliativpflege zu Hause — ein Weg der Würde

Die Entscheidung für Palliativpflege zu Hause ist eine Entscheidung für Nähe, Selbstbestimmung und Menschlichkeit. Sie erfordert Planung, Unterstützung und Mut — aber sie gibt Ihrem Angehörigen die Möglichkeit, die letzte Lebensphase dort zu verbringen, wo er sich am wohlsten fühlt.

Vergessen Sie dabei nicht, auch auf sich selbst zu achten. Nehmen Sie die Hilfsangebote an, die es gibt — von professionellen Pflegekräften über ehrenamtliche Hospizdienste bis hin zu finanziellen Leistungen wie Pflegehilfsmitteln und dem Entlastungsbetrag. Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen.

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