BEHANDLUNG & THERAPIE

Medizinische Pessare bei Inkontinenz

Pessare sind eine bewährte, nicht-chirurgische Behandlungsmethode für Frauen mit Belastungsinkontinenz oder Beckenbodenschwäche. Die kleinen, flexiblen Hilfsmittel aus medizinischem Silikon werden vaginal eingesetzt und stützen die Beckenorgane von innen — ganz ohne Operation.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Pessartypen es gibt, für wen sie geeignet sind und wie Sie Pessare im Alltag richtig anwenden und pflegen.

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Was sind Pessare?

Ein Pessar ist ein medizinisches Hilfsmittel aus flexiblem, körperverträglichem Silikon, das vaginal eingeführt wird. Es dient dazu, die Lage von Blase, Gebärmutter und Enddarm mechanisch zu stabilisieren. Durch den gezielten Druck gegen die Scheidenwand werden abgesenkte Beckenorgane angehoben und der natürliche Verschlussmechanismus der Harnröhre wiederhergestellt.

Pessare wirken dabei nicht nur passiv stützend — sie regen durch den konstanten leichten Druck auf das Gewebe auch die Durchblutung und Regeneration des Beckenbodens an. Das macht sie zu einer sinnvollen Ergänzung zum Beckenbodentraining.

Die Anpassung erfolgt individuell durch den Gynäkologen, denn Form und Größe müssen exakt zum Körperbau der Patientin passen. Bei korrektem Sitz ist das Pessar im Alltag nicht spürbar. Die Diagnose der Harninkontinenz bildet dabei die Grundlage für die Wahl der richtigen Pessarform.


Arten von Pessaren im Überblick

Je nach Beschwerdebild und Anatomie kommen unterschiedliche Pessarformen zum Einsatz. Ihr Gynäkologe empfiehlt die passende Variante.

Ring-Pessar

Das Ring-Pessar ist die am häufigsten verwendete Form. Der flexible Ring wird in die Scheide eingeführt und stützt den Blasenhals. Er eignet sich besonders bei leichter bis mittlerer Senkung und Belastungsinkontinenz.

  • Einfach selbst einzusetzen und zu entfernen
  • Kann mehrere Wochen verbleiben
  • Geschlechtsverkehr meist möglich

Schalen-Pessar

Das Schalen-Pessar (auch Siebschalenpessar) hat eine flache, schalenförmige Struktur mit kleinen Perforationen. Es bietet eine breitere Auflagefläche und eignet sich besonders bei Gebärmuttersenkung in Kombination mit Inkontinenz.

  • Stabile Stützwirkung durch große Fläche
  • Gut geeignet bei mittlerer Senkung
  • Regelmäßiger Wechsel beim Arzt empfohlen

Würfel-Pessar

Das Würfel-Pessar haftet durch Saugwirkung an der Scheidenwand und bietet damit besonders festen Halt. Es ist ideal bei stärkerer Senkung, wenn andere Pessarformen nicht ausreichend sitzen.

  • Starker Halt durch Saugnapf-Effekt
  • Muss täglich entfernt und gereinigt werden
  • Für Selbstmanagement geeignet

Urethra-Pessar

Das Urethra-Pessar (z. B. Ring mit Knauf) ist speziell für Belastungsinkontinenz entwickelt. Ein kleiner Vorsprung stützt gezielt die Harnröhre und verbessert den Verschlussmechanismus — auch ohne gleichzeitige Senkung.

  • Gezielt bei Stressinkontinenz wirksam
  • Sofortige Wirkung beim Sport oder Husten
  • Situativ einsetzbar (z. B. nur beim Training)

Für wen sind Pessare geeignet?

Pessare kommen in verschiedenen Lebenssituationen und bei unterschiedlichen Beschwerdebildern zum Einsatz.

Belastungsinkontinenz

Bei Stressinkontinenz verlieren Frauen ungewollt Urin beim Husten, Niesen, Lachen oder Sport. Pessare stützen die Harnröhre und können den Urinverlust in vielen Fällen vollständig verhindern.

  • Sofortwirkung bei körperlicher Belastung
  • Ideal in Kombination mit Beckenbodentraining
  • Situativ einsetzbar (z. B. nur beim Sport)

Gebärmuttersenkung

Bei einer Absenkung von Gebärmutter, Blase oder Enddarm (Descensus genitalis) stützen Pessare die Organe mechanisch und lindern Druckgefühl, Fremdkörpergefühl und begleitende Inkontinenzbeschwerden.

  • Stützt mehrere Organe gleichzeitig
  • Konservative Alternative zur OP
  • Verschiedene Formen für unterschiedliche Schweregrade

Alternative zur Operation

Nicht jede Patientin möchte oder kann sich einer Operation unterziehen. Pessare bieten eine wirksame, reversible Alternative — insbesondere für ältere Frauen oder Patientinnen mit erhöhtem OP-Risiko.

  • Kein Narkoserisiko
  • Sofort reversibel — jederzeit entfernbar
  • Auch als Überbrückung bis zur OP nutzbar

Schwangerschaft & postpartum

Während der Schwangerschaft und nach der Geburt ist der Beckenboden besonders belastet. Pessare können in dieser Phase stützend wirken und die Rückbildung unterstützen — natürlich nur nach ärztlicher Rücksprache.

  • Entlastet den Beckenboden in der Schwangerschaft
  • Unterstützt die Rückbildung nach der Geburt
  • Immer in Absprache mit dem Gynäkologen

Ältere Patientinnen

Gerade im höheren Alter steigt das Risiko für Inkontinenz bei Frauen und Beckenbodenschwäche. Da operative Eingriffe mit zunehmendem Alter belastender werden, sind Pessare für Seniorinnen oft die Therapie der Wahl.

  • Schonende Lösung ohne Narkose
  • Arztwechsel-Modell für weniger mobile Patientinnen
  • Kombinierbar mit hormoneller Lokaltherapie

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Anwendung & Pflege von Pessaren

Damit ein Pessar seine volle Wirkung entfaltet und keine Komplikationen entstehen, ist die richtige Handhabung entscheidend. Grundsätzlich gibt es zwei Anwendungsmodelle: das Selbstmanagement und die Betreuung durch den Arzt.

Einsetzen des Pessars

Die erste Anpassung erfolgt immer durch den Gynäkologen, der die passende Form und Größe auswählt. Je nach Pessartyp kann das Hilfsmittel anschließend selbstständig eingesetzt und entfernt werden — ähnlich wie ein Tampon. Alternativ setzt der Arzt das Pessar ein, und es verbleibt für sechs bis acht Wochen in der Scheide, bevor es gewechselt wird.

  • Einführen in leicht gebeugter Position (z. B. mit einem Fuß auf einem Hocker)
  • Pessar zusammendrücken, einführen, hinter dem Schambein positionieren
  • Bei richtigem Sitz ist kein Fremdkörpergefühl spürbar

Reinigung & Hygiene

Bei Selbstmanagement (z. B. Würfel-Pessar) sollte das Pessar täglich herausgenommen und gereinigt werden. Verwenden Sie dazu lauwarmes Wasser und milde, parfümfreie Seife. Aggressive Reinigungsmittel können das Silikon beschädigen. Einige Hersteller bieten spezielle Pessarpflege-Sets an.

Regelmäßige Kontrolle beim Frauenarzt

Unabhängig davon, ob Sie Ihr Pessar selbst handhaben oder es vom Arzt einsetzen lassen: Regelmäßige gynäkologische Kontrollen sind unerlässlich. Der Arzt prüft den korrekten Sitz, untersucht die Scheidenschleimhaut auf Druckstellen oder Reizungen und passt das Pessar bei Bedarf an. Empfohlen werden Kontrollen alle 3–6 Monate.


Vorteile & Nachteile von Pessaren

Wie jede Therapiemethode haben auch Pessare Stärken und Grenzen. Ein Überblick hilft bei der Entscheidung.

Vorteile

  • Nicht-chirurgisch — kein Narkose- oder OP-Risiko
  • Sofortwirkung — Verbesserung ab dem ersten Einsetzen
  • Reversibel — jederzeit entfernbar, keine dauerhafte Veränderung
  • Situativ einsetzbar — z. B. nur beim Sport oder auf Reisen
  • Diskret — von außen unsichtbar, kein Geruch
  • Umweltfreundlich — wiederverwendbar, weniger Abfall als Einlagen
  • Kombinierbar — ergänzt Beckenbodentraining und andere Therapien

Nachteile

  • Eingewöhnung nötig — das Einsetzen und Entfernen erfordert Übung
  • Regelmäßige Arztbesuche — Kontrollen alle 3–6 Monate erforderlich
  • Nicht für jeden passend — manche Frauen finden kein geeignetes Modell
  • Grenzen bei schwerer Inkontinenz — bei Grad 3 oft nicht ausreichend
  • Kann beim Geschlechtsverkehr stören — je nach Pessarform
  • Pflegeaufwand — tägliche Reinigung bei bestimmten Typen
  • Mögliche Reizungen — selten Druckstellen oder vermehrter Ausfluss

Alternative Behandlungen bei Inkontinenz

Pessare sind nur eine von vielen Möglichkeiten, Inkontinenz zu behandeln. Je nach Ursache und Schweregrad können andere Therapien besser geeignet sein oder Pessare sinnvoll ergänzen. Hier finden Sie weiterführende Ratgeber:

Fazit: Pessare als wirksame und schonende Therapieoption

Medizinische Pessare sind eine bewährte, nicht-chirurgische Lösung für Frauen mit Belastungsinkontinenz oder Beckenbodenschwäche. Sie bieten sofortige Linderung, sind reversibel und lassen sich flexibel in den Alltag integrieren — ob dauerhaft oder nur in bestimmten Situationen.

Entscheidend für den Erfolg ist die individuelle Anpassung durch den Gynäkologen und die konsequente Pflege des Pessars. In Kombination mit Beckenbodentraining und ggf. weiteren Maßnahmen kann die Inkontinenz in vielen Fällen deutlich gebessert oder sogar vollständig kontrolliert werden.

Der wichtigste Schritt: Sprechen Sie offen mit Ihrem Frauenarzt über Ihre Beschwerden. Gemeinsam finden Sie die Therapie, die am besten zu Ihnen passt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zur Pessartherapie wenden Sie sich bitte an Ihren Gynäkologen oder Urologen.

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